Für einen sauberen Ablauf beim Tätowieren benötigen wir hygienische Standards.

 

Deshalb unterliegen wir dem

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

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– 1 –Merkblatt für Betreiber von Tattoo- und Piercingstudios Stand: Januar 2015

Merkblatt für Betreiber von Tattoo-und Piercingstudios – Anforderungen an die Hygiene – Tätigkeiten, bei denen die Haut oder Schleimhaut verletzt wird, gehen mit einer erhöhten Infektionsgefahr für durch Blut und Serum übertragbare Krankheiten einher. Um übertragbare Krankheiten bei Menschen vorzubeugen und Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Verbreitung zu verhindern, unterliegen solche Tätigkeiten dem Infektionsschutz-gesetz (IfSG, [1]) und der Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten (Hygiene-Verordnung, [2]). Dieses Merkblatt liefert Ihnen Informationen, wie Sie die Anforderungen des IfSG und der Hygieneverordnung beim Tätowieren und Piercen umsetzen und durch welche Maßnahmen Sie das Risiko einer gesundheitlichen Schädigung für Sie und Ihre Kunden minimieren können. Hygienische Ausstattung des Arbeitsplatzes. Der Arbeitsbereich, in dem das Tätowieren oder Piercen durchgeführt wird, soll baulich (z.B. durch Unterbringung in einem separaten Raum) oder zumindest funktionell (z.B. durch eine Trennwand) von anderen Bereichen des Studios abgetrennt sein. Im Arbeitsbereich sollten möglichst nur Gegenstände vorhanden sein, die für die Durchführung des Tätowierens oder Piercens erforderlich sind. Der Arbeitsbereich sollte sich in einem ordentlichen Zustand befindenund frei von Staub und Verunreinigungen sein. In leicht erreichbarer Nähe des Arbeitsplatzes soll ein hygienegerecht ausgestattetes Handwaschbecken vorhanden sein. An diesem müssen sich Spender für Flüssigseife und Händedesinfektionsmittel, Hautpflegemittel, Einmalhandtücher sowie ein Abwurf für Einmalhandtücher befinden. Stückseifen sind aufgrund der erhöhten Verkeimungsgefahr nicht zulässig. Zur Vermeidung von Kontaminationen des Arbeitsbereiches durch Spritzwasser sollte zum Handwaschplatz ein Abstand von mindestens einem Meter bestehen oder ein Spritzschutz vorhanden sein.

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Alle Oberflächen des Arbeitsbereiches, wie die Behandlungsliege, Ablageflächen sowie Böden und Wände sollen glatt, abwischbar und desinfizierbar sein. Die Fläche zur Instrumentenablage soll bei der Arbeit am Kunden mit einer Einmalunterlage abgedeckt werden, die bei jedem Kunden gewechselt wird. Auch die Behandlungsliege soll bei jedem Kunden mit einer frischen Unterlage abgedeckt werden. Empfehlenswert ist hier die Verwendung einer Einmalpapierunterlage. Ein durchstichsicherer Abwurfbehälter für spitze, scharfe oder zerbrechliche Gegenstände (Nadeln, Rasierklingen, Kanülen etc.) muss im Arbeitsbereich vorhanden sein. Essen, Trinken, Rauchen und Haustiere sind im unmittelbaren Arbeitsbereich untersagt, um Kontaminationen mit Keimen zu verhindern. Persönliche Hygienemaßnahmen und Händedesinfektion Eine gute Händehygiene ist die wichtigste Maßnahme zur Prävention einer Erregerübertragung. Dazu gehören das Händewaschen und die Händedesinfektion. Vor Arbeitsbeginn und nach jedem Toilettengang sollen die Hände gründlich mit Seife gewaschen werden. Zusätzlich müssen die Hände in folgenden Situationen desinfiziert werden:

Vor dem Tätowieren

Nach dem Tätowieren

Nach Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten

Nach Kontakt mit kontaminierten Flächen oder Gegenständen

Nach Ablegen von Schutzhandschuhen (mögliche Kontamination durch kleine, mit dem Auge nicht sichtbare Perforationen der Handschuhe)

Die Händedesinfektion ist für Tätowierer/Tätowiererinnen und Piercer/Piercerinnen durch die

Hygieneverordnung gesetzlich vorgeschrieben. Deshalb muss jeder Tätowierer/jede Tätowiererin und jeder Piercer/jede Piercerin in der Lage sein, die Händedesinfektion korrekt durchzuführen.  Die trockene Hohlhand wird mit 3-5ml des unverdünnten Desinfektionsmittels befüllt. Anschließend werden beide Hände vollständig eingerieben. Die Rückhand, die Fingerzwischenräume und die Fingernägel müssen besonders beachtet werden. Die vom Hersteller vorgegebene Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels muss eingehalten werden (meist 30 Sekunden). Für die Dauer der Einwirkzeit müssen die Hände feucht gehalten werden. Die Händedesinfektion soll unbedingt mit einem Mittel durchgeführt werden, dessen Wirksamkeit bestätigt ist. Solche Mittel werden z.B. vom Verbund für angewandte Hygiene

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(VAH,www.vah-online.de) in einer Desinfektionsmittelliste aufgeführt. Wenn ein Mittel dort gelistet ist, ist dies meist auf dem Behälter vermerkt sowie in den Produktinformationen verzeichnet. Während des Tätowierens müssen Einmalhandschuhe getragen werden. Diese werden bei jedem Kunden und bei Verschmutzung oder Beschädigung gewechselt. Versorgung des Hautareals Die Haut muss an der zu tätowierenden oder zu piercenden Stelle sorgfältig enthaart, ggf. gereinigt und anschließend desinfiziert werden.

Für jeden Kunden muss ein frischer Ein- malrasierer verwendet werden. Vor der Desinfektion muss die Haut trocken sein. Es dürfennur Desinfektionsmittel verwendet werden, die auf ihre Wirksamkeit geprüft wurden. Das Mittel muss unter Beachtung der vom Hersteller angegebenen Einwirkzeit unverdünnt satt aufgesprüht oder mittels eines sterilen Tupfers aufgetragen werden. Während der Einwirkzeit muss die entsprechende Hautpartie feucht gehalten werden. Die Reinigung der Haut während und nach der Tätowierung soll mit sterilem Wasser oder mit sonstigen sterilen Lösungen erfolgen. Nach dem Tätowieren oder Piercen soll bevorzugt ein steriler Verband angelegt werden. Da es beim Tätowieren häufig üblich ist, das tätowierte Hautareal mit Wund- und Heilsalbe zu behandeln und mit Frischhaltefolie zu umwickeln, soll hier zumindest auf ein keimarmes Vorgehen geachtet werden.

Wichtig:

Haut- und Schleimhautdesinfektionsmittel dürfen nur in der Originalflasche verwendet werden. Das Umfüllen von Haut- und Schleimhautdesinfektionsmittel ist nicht zulässig. Aufgrund der Anwendung am Menschen zählen beide zu den Arzneimitteln. Beim Umfüllen von Haut- oder Händedesinfektionsmittel aus Originalgebinden besteht zum einen die Gefahr, dass das Desinfektionsmittel mit Keimen aus der Umgebung kontaminiert wird, zum anderen ist dieses Vorgehen rechtlich als Herstellung von Arzneimitteln zu sehen, wodurch die Haftung für das Produkt auf Sie als Verwender übergeht.

Umgang mit Instrumenten

Gegenstände, die die Haut oder Schleimhaut durchdringen und damit in Kontakt mit der Blutbahn gelangen können, müssen steril sein. Dies ist auch in der Hygieneverordnung für Tätowierer/Tätowiererinnen und Piercer/Piercerinnen gesetzlich vorgeschrieben. Zu diesen

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Gegenständen zählen Tätowiernadeln, die zum Piercen verwendeten Kanülen oder Braunülen sowie der Piercing-Erstschmuck. Da die korrekte Reinigung, Desinfektion und Sterilisation von wiederverwendbaren Instrumenten sehr schwierig, kostenintensiv und zeitaufwändig ist, empfehlen wir grundsätzlich nur Einmalmaterialien zu verwenden. Als Nadeln sind grundsätzlich sterile Einmalprodukte zu verwenden! Instrumente, die die Haut und Schleimhaut nicht durchdringen, diese aber möglicherweise verletzen können oder mit verletzter Haut und Schleimhaut in Berührung kommen, müssen gereinigt und desinfiziert verwendet werden. Zu diesen Gegenständen zählen z.B. Nadelhalter, Griffstücke, Pinzetten und Zangen. Die Tätowiermaschine kommt zwar nicht direkt mit Haut und Schleimhaut in Berührung, wird aber über die Hände des Tätowierers/der Tätowiererin mit Blut und Farben kontaminiert. Eine adäquate Aufbereitung der Tätowiermaschine ist bei den meisten Modellen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Wünschenswert ist die Wischdesinfektion der Tätowiermaschine nach jedem Kunden. Zum Schutz vor Kontaminationen sollen die Tätowiermaschine und das dazu führende Stromkabel in Folie verpackt werden. Nach dem Tätowieren wird die Folie entfernt und die Maschine gereinigt und mit einem geeigneten Desinfektionsmittel wischdesinfiziert. Die Desinfektion ist trotz Verwendung der Folie notwendig, da die Folie niemals zu 100% dicht ist.

Instrumentenaufbereitung

Um Kontaminationen des Arbeitsbereiches zu verhindern, soll die Instrumentenaufbereitung in einem räumlich oder organisatorisch abgetrennten Bereich stattfinden. Hier sollen unreine und reine Arbeitsschritte baulich oder organisatorisch voneinander getrennt sein. Alle Oberflächen des Aufbereitungsbereichs sollen glatt, leicht zu reinigen und wischdesinfizierbar sein. Grundsätzlich muss die Aufbereitung in der Reihenfolge Reinigung – Desinfektion – Sterilisation erfolgen. Die Reinigung kann manuell mit Hilfe von geeigneten Reinigungsbürsten oder mit Hilfe eines Ultraschallbades erfolgen. Bei Verwendung eines Ultraschallbades sind die Vorgaben des Herstellers zu beachten. Das Einlegen der Instrumente ins Ultraschallbad ersetzt aber

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niemals die Desinfektion! Nach der Reinigung werden die Instrumente mit Leitungswasserabgespült, um Rückstände des Reinigungsmittels zu entfernen, und sorgfältig getrocknet. Zur Desinfektion werden die gereinigten Instrumente in eine mit Instrumentendesinfektions- mittel gefüllte Wanne eingelegt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Instrumente vollständig bedeckt sind und keine Lufteinschlüsse entstehen. Gelenkinstrumente sind geöffnet in die Lösung einzulegen, Hohlinstrumente müssen durchgespült werden. Die Herstellerangaben zu Konzentrationen, Temperatur und Einwirkzeiten sowie die Herstellerangaben zur Materialverträglichkeit der Instrumente müssen unbedingt beachtet bzw. eingehalten werden. Das Überschreiten der vorgegebenen Konzentration oder Einwirkzeit führt zur Korrosion der Instrumente und verkürzt ihre Lebenszeit. Die Instrumentendesinfektionslösung muss mindestens arbeitstäglich und bei sichtbarer Verschmutzung gewechselt werden. Nach Ablauf der Einwirkzeit werden die Instrumente gründlich mit Trinkwasser abgespült und sorgfältig getrocknet. Bei der Wahl des Instrumentendesinfektionsmittels muss darauf geachtet werden, dass das Mittel auf seine Wirksamkeit geprüft wurde (z.B. VAH-Liste) und eine Wirksamkeit gegen Hepatitis B, Hepatitis C und HIV besteht bzw. als Wirkbereich „begrenzt-viruzid“ genannt wird. Das am besten geeignete Verfahren zur Sterilisation ist die Dampfsterilisation bei 121°C bzw. 134°C. Dieses Sterilisationsverfahren gewährleistet eine höhere Sicherheit und bessere Nachprüfbarkeit des Sterilisationsprozesses. Zu empfehlen ist ein Dampfkleinsterilisator der Klasse B oder S mit automatischer Dokumentation der Sterilisationsparameter. Alternativ kann im Tattoo- und Piercingstudio auch die Heißluftsterilisation bei 180°C angewendet werden. Dieses Verfahren ist jedoch nicht für Hohlrauminstrumente geeignet. Es soll ein für die verwendeten Instrumente und Geräte geeignetes, zugelassenes und validiertes Sterilisationsverfahren verwendet werden. Validierte Verfahren sind solche, bei denen die Wirksamkeit geprüft und bestätigt wurde. Die Wartung und Funktionsprüfung der Geräte soll regelmäßig entsprechend den Herstellerangaben erfolgen. Jede sterilisierte Charge muss mit dem Sterilisierdatum, dem Inhalt und der Chargennummer beschriftet werden. Grundlegende Anweisungen zum Umgang mit Produkten, welche die Haut und Schleimhaut berühren oder durchdringen finden Sie auf der Homepage des Robert-Koch-Institutes [5]. Eine ausführliche Anleitung zur Instrumentenaufbereitung kann außerdem dem Rahmenhygieneplan des Länderarbeitskreises entnommen werden [6].